Die Schrein-Reliquie des heiligen Vitalis gehört zu den bemerkenswertesten Schätzen der Wiener Ruprechtskirche. Im Jahr 1765 gelangte sie als Geschenk von Papst Clemens XIII. an Kaiserin Maria Theresia nach Wien. Die Kaiserin schenkte die Reliquie der Ruprechtskirche, wo sie bis heute aufbewahrt wird und von der lebendigen Glaubenstradition vergangener Jahrhunderte erzählt.
Der heilige Vitalis zählt zu den frühen christlichen Märtyrern und wird vor allem in der italienischen Stadt Ravenna verehrt. Der Überlieferung nach setzte er sich mutig für seinen Glauben ein und nahm dafür Verfolgung und schließlich den Tod in Kauf.
Bis heute erinnert die berühmte Basilika San Vitale an sein Wirken und macht ihn zu einer wichtigen Gestalt der christlichen Tradition. In manchen Legenden wird er als römischer Soldat beschrieben. Deshalb wurde die Reliquie in der Barockzeit mit einem kostbaren Gewand ausgestattet, das die Kleidung eines römischen Legionärs nachbildet.
Die Reliquie ist reich geschmückt und mit kunstvollen Klosterarbeiten verziert. Auch eine Glasphiole gehört zur Ausstattung. Für die Menschen des Barock waren solche Darstellungen Ausdruck ihrer Verehrung der Heiligen und ihrer Hoffnung auf die Nähe Gottes. Die Gestaltung des Schreins zeigt eindrucksvoll, wie Glauben damals sichtbar und erfahrbar gemacht wurde.
Im Jahr 2022 wurde die Reliquie im Rahmen eines Forschungsprojekts der Akademie der bildenden Künste untersucht. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden eine wichtige Grundlage für die laufenden Restaurierungsarbeiten.
Die Restaurierung erfolgt im Auftrag der Erzdiözese Wien. Die Schreinarchitektur wird von den Restauratoren Thomann & Golob, die Reliquie selbst von Macho-Biegler betreut. Ermöglicht wird das Projekt durch die Unterstützung des Bundesdenkmalamts, des Vereins zur Erhaltung der Ruprechtskirche sowie durch die für Kultur und Denkmalpflege der Erzdiözese Wien.