Pater Nikolaus lebt in zwei Welten, die auf den ersten Blick kaum zusammenpassen: das stille Kloster der Augustiner und die lebendige SPAR-Lehrlings- Akademie Wien, einer wichtigen Ausbildungsstätte für den Einzelhandel.
Als Augustiner-Mönch, Priester, pädagogischer Direktor der SPAR-Lehrlings-Akademie und Berufsschullehrer verbindet er spirituelle Tradition mit dem Alltag junger Menschen, die oft unter großem Druck stehen. Sein Orden, der der spirituellen Tradition des heiligen Augustinus folgt, steht für Bildung und Seelsorge, prägt seine Haltung: zuhören, begleiten, stärken.
Foto: © Augustiner/Pater Nikolaus (ganz links) mit damals Kardinal Francis Prevost (heute Papst Leo XIV)
Die SPAR-Lehrlings- Akademie Wien wurde 1906 gegründet und bildet heute rund 360 Lehrlinge aus. 14 Lehrer und Lehrerinnen unterrichten Jugendliche aus 36 Nationen, 34 Muttersprachen und 16 Religionsgemeinschaften. Jedes Jahr lassen sich Firmlinge der Berufsschulen in der Augustinerkirche firmen, ein Zeichen dafür, dass viele Jugendliche weiterhin Orte suchen, die ihnen Orientierung geben.
Pater Nikolaus sieht Lehrlinge als Gruppe, die oft unterschätzt wird. Er begegnet ihnen mit Respekt und klarer Haltung: Religion ist für ihn kein Dogma, sondern ein Raum für Suche nach Gott, Kultur, Fragen und menschliche Erfahrungen.
Pfingsten bedeutet für ihn Aufbruch und Verständigung. Er erlebt das im Ethik-Unterricht, wenn Jugendliche offen über ihr Leben sprechen oder kritisch nachfragen. Besonders berühren ihn jene, die trotz voller Stundenpläne freiwillig kommen. Für viele wird Religion zu einem Lernort, an dem Philosophie, Geschichte, Psychologie und persönliche Erfahrungen zusammenfließen.
Der Berufsalltag im Handel ist fordernd. Viele Lehrlinge werden früh wie voll ausgebildete Kräfte eingesetzt. Pater Nikolaus weiß, wie sehr junge Menschen in dieser Phase Unterstützung brauchen. Die Schule arbeitet eng mit Coaching- und Beratungsstellen zusammen. Wenn nötig, greift er selbst zum Telefon. Für ihn bedeutet Begleitung, Jugendlichen Worte zu geben – für das, was sie belastet, und für das, was ihnen Kraft gibt.
Oft beginnt eine Schulstunde mit anonymen Aussagen auf Zetteln: „Was ist diese Woche schiefgegangen?“ Danach ein kurzes Gebet: Gott liebt uns trotz Schwächen. „Ich muss nicht von oben herab predigen“, sagt er. „Ich möchte zum Nachdenken anregen – über Leiderfahrungen, Dankbarkeit, Selbstwahrnehmung.“
Pater Nikolaus sieht viel Potenzial in der jungen Generation:
Teamgeist, Respekt, Verantwortungsgefühl. Sein Rat ist schlicht und klar: „Unterbrecht den Alltag, hört auf euer Herz und hinterfragt kritisch, was andere sagen und was ihr am Handy seht.“ Für ihn selbst bleibt die Arbeit ein Geschenk. „Ich gehe immer noch gerne in die Schule“, sagt er. „Es bereichert und beschenkt mich.“
Foto Header: Tag der Lehrlinge 2026, © Erzbischöfliches Amt für Schule und Bildung