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Trauerbegleitung: Wenn der Alltag plötzlich nicht mehr derselbe ist

Geschrieben von Gott sei Dank Redaktion | 2026

Der Verlust eines geliebten Menschen stellt das Leben oft von einem Tag auf den anderen auf den Kopf. Trauerbegleiter:innen und Betroffene erzählen, wie sie Kraft gefunden haben, durch die schwere Zeit nach dem Verlust eines geliebten Menschen zu kommen.

Ein leerer Platz am Frühstückstisch. Eine Telefonnummer im Handy, die man nicht löschen kann. Oder ein Geburtstag, der zum ersten Mal ohne den vertrauten Menschen verstreicht.

Wer einen geliebten Menschen verliert, merkt plötzlich, wie sich der Alltag verändert. Dinge, die früher selbstverständlich waren, fallen auf einmal schwer. Oft fehlen die Worte, um darüber zu sprechen. Viele ziehen sich zurück. Gleichzeitig kehrt das Umfeld oft schneller in ein „normales“ Leben zurück. Nach den ersten Wochen werden die Fragen und Besuche seltener. Die Trauer aber bleibt.

Da ist es wichtig zu wissen, dass niemand die Trauer alleine bewältigen muss! 

Zuhören, begleiten, da sein

Aber wer hört mir zu? Trauerbegleiter:innen unterstützen Menschen dabei, wieder Mut zu fassen. „In uns allen lebt die Kraft mit schwierigen Situationen des Lebens umzugehen, auch wenn es sich vielleicht im Moment nicht so anfühlt“, erzählt Kathrin Unterhofer aus ihrer Arbeit. Sie ist Leiterin der Kontaktstelle Trauer der Erzdiözese Wien. Dabei geht es oft einfach darum, der Trauer einen Platz zu geben, aktiv zuzuhören oder gemeinsam Rituale zu entwickeln. „Gerade wenn man vielleicht Angst hat, die anderen mit der eigenen Trauer zu überlasten, stehen wir als Trauerbegleiter:innen bereit und helfen den Menschen wieder ihren eigenen Weg zu finden.“ Das Angebot richtet sich an alle unabhängig von Alter, Lebenssituation oder persönlicher Weltanschauung.

Welche Unterstützung gibt es?

In der Kontaktstelle Trauer engagieren sich viele Menschen als Begleiter:innen in einem multidisziplinären Team. Sie bieten Einzelgespräche und Gesprächsgruppen an. In der Bandbreite der Angebote zeigt sich auch, dass die Zeit der Trauer sehr individuell ist. So gibt es zum Beispiel Gruppen für junge Erwachsene, für Angehörige nach Suizid und für Eltern, die ein Kind verloren haben. Darüber hinaus werden offene Aktivitäten wie gemeinsame Wandertage und Spaziergänge veranstaltet, um miteinander ins Gespräch zu kommen oder die Lebenskraft der Natur für sich zu entdecken. In manchen Pfarren werden auch Trauercafés angeboten. Darüber hinaus helfen Kreativangebote, innere Bilder und Ausdrucksmöglichkeiten sichtbar zu machen. An vorderster Stelle steht dabei immer, einen geschützten Raum des Vertrauens zu schaffen, in dem die eigenen Gefühle zum Ausdruck kommen können. Gemeinsam wird besprochen, was aktuell belastet und welche Unterstützung hilfreich sein kann.

Wie läuft Trauerbegleitung ab?

Wer zum ersten Mal ein solches Angebot besucht, bringt oft ähnliche Fragen mit: Muss ich dort über meine Gefühle sprechen? Bin ich „traurig genug“ für eine Gruppe? Passe ich überhaupt dazu? Dabei können sich die Teilnehmer:innen eines sicher sein: Trauer hat viele Gesichter, und jedes davon darf Platz haben. Oft entstehen dabei auch freundschaftliche Beziehungen, die einen auch nach der gemeinsamen Zeit in der Gruppe tragen.

"In dieser total lähmenden Ausnahmesituation, war es für mich besonders wichtig, wie unbürokratisch und niederschwellig der Zugang zu den Einzel- und Gruppengesprächen war. Dort konnte man mit allen seinen Gefühlen sofort vor Anker gehen und – das Wichtigste – man war mit den vielen Gefühlen, die auf einen einstürzten nicht allein. Man kann sich mit seiner Trauer, seiner Angst und auch seiner Wut auseinandersetzen und hat dabei vielseitig geschulte und empathische Expert:innen an der Seite. Sie konnten mir mit ihrer Moderation und vielfältigen Orientierungsangeboten Sicherheit vermitteln und es ermöglichen, Trost zu finden.“
– Monika Fußenegger, Betroffene und Teilnehmerin 

Sich Zeit geben

Und ganz wichtig: Es braucht Zeit. Traditionell spricht man oft von einem Trauerjahr. In einer schnelllebigen Welt wird das oft vergessen. Sichtbare Zeichen der Trauer sind oft nicht mehr üblich und aus dem öffentlichen Leben verschwunden. Die Gruppenangebote der Kontaktstelle Trauer können bis zu zwei Jahren in Anspruch genommen werden. Die Treffen finden regelmäßig 14-tägig oder monatlich statt.

Konkrete Hilfe vor Ort bei Betroffenen

In Krankenhäusern wird Trauerbegleitung oft direkt angeboten. Die Krankenhausseelsorge der Erzdiözese Wien kümmert sich um Patienten und Angehörige.

Als Frau Maier (Anm. Name von Redaktion geändert) die Nachricht erhielt, dass ihrem Mann nur noch wenige Wochen bleiben würden, begann eine schwere Zeit für die ganze Familie. Ihr Sohn kontaktierte die Krankenhausseelsorgerin. Gemeinsam saßen sie am Krankenbett und kamen ins Gespräch über Themen, die oft im Alltag keinen Platz haben oder für die sich niemand die Zeit nimmt: über das gelebte Leben und die Hoffnung, dass es gut weitergehen kann, wenn ein Leben vor dem Ende steht.

Kurz darauf verstarb ihr Mann zuhause. Frau Maier war dankbar, dass die Seelsorgerin für sie da war. Sie konnte sich auch telefonisch an sie wenden. Die Seelsorgerin hörte einfach zu, stellte behutsame Fragen und gab Raum, ohne etwas vorzugeben. Sie sprachen darüber, wie sich die Trauer jetzt anfühlt, wo das Haus leer war. Und Frau Maier hatte stets das gute Gefühl, dass sie sich dabei nicht verstecken muss.

„Durch die Krankheit meines Mannes, die gemeinsamen Gespräche und die Zeit danach haben wir gelernt, über persönliche Dinge offener miteinander zu sprechen“, erzählt sie wie auch die Beziehung mit ihrem Sohn dadurch neu gewachsen ist. Zwar hat die Seelsorgerin „unsere Probleme nicht gelöst und keine fertigen Antworten gegeben. Aber sie hat einen Rahmen geschaffen, in dem wir als Familie miteinander über das sprechen konnten, was uns wirklich wichtig war.“

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