Kraft und Trost in der Musik
Musik trägt, wenn Worte fehlen. Manchmal genügt ein Lied, um einen Menschen wieder ganz nah zu spüren. Dabei gibt es eine große musikalische Vielfalt zu entdecken. Allerheiligen ist ein guter Anlass, sich wieder einmal bewusst Zeit dafür zu nehmen.
Eine Melodie aus der Kindheit, ein bestimmter Klang oder ein Musikstück, das bei einem festlichen Anlass, einer Hochzeit oder auch bei einem Abschied erklungen ist. Musik ruft Erinnerungen wach und berührt etwas in uns, das sich oft kaum in Worte fassen lässt.
Rund um Allerheiligen und Allerseelen erleben viele Menschen genau das. Die Tage Anfang November laden dazu ein, an verstorbene Angehörige und Freunde zu denken. Manche besuchen einen Friedhof, andere zünden eine Kerze an. Viele erinnern sich still. In solchen Momenten kann Musik Trost schenken und unseren Gefühlen Ausdruck verleihen.
"Das Erleben von liebevoll gestalteter und tief-berührender Musik weist für mich über das rein Menschliche hinaus und ermöglicht einen Blick in den Himmel."
– Daniel Mair, Leiter des Referats für Kirchenmusik
Warum Musik so gut tut
Trauer und Erinnerung gehören zum Leben. Auch Jahre nach einem Verlust können sie plötzlich wieder präsent sein. Wissenschaftliche Studien zeigen seit Jahren, dass Musik nicht nur Stress reduzieren kann, sondern auch hilft, Emotionen zu verarbeiten und das persönliche Wohlbefinden zu stärken.
Musik lässt innere Ruhe entstehen. Langsame Melodien, Gesang oder berührende Instrumentalklänge eröffnen einen Raum zum Innehalten, unabhängig davon, wie religiös jemand ist.
Eine überraschende musikalische Vielfalt
Wer bei Kirchenmusik nur an Orgel und das Gesangsbuch Gotteslob denkt, wird vielleicht überrascht sein, welche Vielfalt es zu entdecken gibt.
Das CCM Project Vienna (CCM steht für: Contemporary Christian Music) ist eine neue Idee des Kirchenmusikreferats der Erzdiözese Wien. Die Formation besteht aus unterschiedlichsten Musiker:innen, die moderne, populäre Musik mit starken Texten zu spannenden und berührenden Liedern zusammenführen. Die Gruppe spielt nicht nur bei Gottesdiensten, sondern auch bei Festivals und veranstaltet eigene Konzerte.
„Für mich lebt meine Gottesbeziehung durch Musik. Im Singen fühl ich mich mit ihm verbunden. Dabei schöpfe ich aus geistlichen Liedern auch selbst sehr viel Kraft, Hoffnung und Trost.“ – Andrea Lentner, CCM Project Vienna
Die Ruhe und besondere Klangwelt des mittelalterlichen Gregorianischen Chorals wiederum schafft einen Raum zum Durchatmen und Innehalten. Klostergemeinschaften wie jene des Stiftes Heiligenkreuz haben es damit in die Charts geschafft. Aber auch in Pfarren wird er lebendig, wenn etwa die Chorschola der Wiener Hofburgkapelle alljährlich die Allerseelenmesse in Mariabrunn gestaltet.
Die Worship Band in Laa an der Thaya begeistert mit ihren einfühlsamen Darbietungen immer wieder aufs Neue. Der harmonische mehrstimmige Gesang gibt das Gefühl, auch in den Stürmen des Lebens nicht allein zu sein.
Denken wir an die Menschen, die wir vermissen, leben wir auch in der Hoffnung, dass es ihnen gut geht. „Lux aeterna“ (übersetzt „Das ewige Licht“) des Renaissance-Komponisten Jean Richafort lässt durch eine fließende Polyphonie dieses Licht der Hoffnung erstrahlen. Wie eine Decke für die Seele, die Ruhe und Geborgenheit bietet. Die Interpreten des Ensemble Cinquecento sind in der Pfarre St. Rochus anzutreffen.
Break a tie ist eine von mehreren Bands, die in der Pfarre Cyrill und Method die Gottesdienste begleiten. „Niemand trauert so wie du, niemand träumt genau wie du“, singt die Band in „Sei du selbst“. Das Lied ermutigt zu einem positiven Umgang mit den eigenen Lebensumständen, die so individuell sind wie ein:e jede:r selbst. Du musst dich nicht verstellen, keine Erwartungen erfüllen und nicht stark sein, sondern kannst einfach zu deinen Gefühlen stehen.
Die großen Requien (Totenmessen) üben eine ungebrochene Faszination aus. Werke wie Verdis monumentale Komposition füllen die bedeutendsten Konzertsäle. Die Strahlkraft des Mozart-Requiems erklingt regelmäßig im Stephansdom. In einer Aufnahme von Introitus und Kyrie unter der Leitung von Domkapellmeister Markus Landerer wird hörbar, warum es Menschen seit Jahrhunderten bewegt: Die Musik führt von Trauer und Dunkelheit zu Zuversicht und Hoffnung.
"Bereits wenn man die ersten Takte des Vorspiels des Introitus hört, fühlt man sich in eine ganz besondere Welt hineinversetzt. Sobald der Chor dann mit den Worten "Requiem aeternam - ewige Ruhe schenke ihnen" einsetzt spürt man den Trost, den Mozart in diese Musik so wunderbar hineinkomponiert hat."
– Markus Landerer, Domkapellmeister
Menschen, die Musik zum Klingen bringen
Hinter dieser Vielfalt stehen tausende engagierte Musikerinnen und Musiker.
In den großen Wiener Kirchen und im Stephansdom sorgen professionelle Ensembles für musikalische Höhepunkte. In vielen Gemeinden musizieren Ehrenamtliche und Profis gemeinsam. Kinderchöre, Jugendbands, Gospelensembles, Organist:innen und Vokalgruppen prägen eine lebendige Musikkultur und verbinden Generationen. So entstehen auch neue Freundschaften.
Gerade in schwierigen Lebensphasen berichten viele Sänger:innen, dass ihnen das gemeinsame Musizieren Kraft gibt. Denn Musik wirkt nicht nur auf diejenigen, die zuhören. Sie stärkt auch jene, die selbst ihre Stimme oder ihr Instrument einbringen.
Kraft und Trost in der Musik
Für viele Menschen ist Musik ein Weg, Erinnerungen Raum zu geben und zugleich nach vorne zu schauen.
Vielleicht ist Allerheiligen ein guter Anlass, sich wieder einmal bewusst Zeit dafür zu nehmen. Für eine Melodie. Für einen Chor. Für einen Moment der Stille zwischen den Tönen. Oder einfach für ein Lied, das dir viel bedeutet.
Denn dass man über die Musik Kraft und Trost finden kann, dafür steht auch der Wahlspruch unseres Erzbischofs Josef Grünwidl: „Nehmt Gottes Melodie in euch auf!“
Mehr davon erleben
An vielen der Erzdiözese Wien zwischen dem Weinviertel, der Buckligen Welt und Wien gibt es Gelegenheit, die Kraft der Musik für sich zu entdecken. Viele musikalische Aufführungen sind kostenlos.
Weitere Informationen:
- Referat für Kirchenmusik der Erziözese Wien: www.erzdioezese-wien.at/kirchenmusik
- Terminkalender Kirchenmusik
- Spezielle Weiterbildungsangebote für Musiker:innen
Titelbild: © Erzdiözese Wien/Stephan Schönlaub

